Nokia hat das Geheimnis gelüftet. Ab sofort kann fast jeder sein S60-Nokia-Smartphone zur Navigation nutzen. Egal ob man zu Fuß unterwegs ist oder im Auto. Unabhängig ob man sich Deutschland aufhält, in Spanien oder in Australien. Einen Haken hat das verspätete Neujahrsgeschenk jedoch ...

... es ist nämlich nicht für alle Symbianhandys erhältlich. Zum Start werden nur ausgewählte Geräte unterstützt, weitere folgen, und ab März ist die neue Ovi Maps Version für alle neuen Nokiahandys verfügbar.

Wie gesagt, aber nur neue Nokiahandys. Klassiker wie N95 & Co kommen nicht in den kostenlosen Genuss. Sicherlich enttäuschend für deren Besitzer, aber nachvollziehbar aus Nokias Sicht. Irgendwo muss ja der Umsatz herkommen.

Hier gibt es ab März ein neues Preismodell, kostenlos wird´s jedoch nicht. Und wer erst vor kurzem eine Lizenz erworben hat, bekommt auch nix zurück. Eine Gutschrift ist nicht geplant.

Sofort updaten können die Besitzer der 5th-Edition-Modelle X6, N97 mini, 5230 und 5800 XpressMusic/NavigationEdition. Dazu kommen fünf Modelle mit der 3rd-Edition, nämlich E72, E52, E55, 6710 Navigator und 6730 classic.

Zur Einstimmung ein kleines Video ...

Nun aber zum eigentlichen Produkt. Ovi Maps hat nun endlich eine übersichtliche Oberfläche, es gibt nur noch wenige verschachtelte Menüs. So ziemlich jede wichtige Funktion ist mit einem Button im Hauptmenü erreichbar. Es startet zudem schneller und zickt nicht mehr rum.

Zwar hatte ich in den Nokiabüros mit meinem Vorführ-5800XM keinen GPS-Empfang, aber die Positionsbestimmung war über Cell-ID relativ genau. Während Google Maps schon mal großzügig eine Fläche mit 500m-Radius als Position darstellt, war Ovi Maps mit zwei, drei Häusern bzw 50-75m Radius erstaunlich zielsicher. Google Maps war überhaupt ein Thema bei der Vorstellung von Ovi Maps. Google Maps diente in vielen Grafiken als Produkt, das es zu schlagen gilt.

Die Unterschiede liegen auf der Hand. Ovi Maps braucht keine ständige Internetverbindung, da die Karten auf dem Handy gespeichert sind. Dadurch entstehen weniger Kosten, sofern man keine Flatrate hat. Und gleichzeitig wird der Akku geschont. Dass man unabhängiger ist, wenn mal kein Internet zur Verfügung steht, kommt noch hinzu. So kann man auch einfach mal offline eine Route planen, abspeichern und bei Bedarf das Ziel dann zur Navigation erneut auswählen.

Neu hinzugekommen sind die Premiumdienste. So arbeitet Nokia weltweit mit über 20 Anbietern zusammen, um den User vor Ort mit standortbasierten Inhalten zu versorgen. Restaurantbewertungen von Michelin, Filme im Kino in der Nähe, aktuelle Wetterdaten oder der Reiseführer von Lonely Planet ... so manch nützliche Infos ist mit dabei und wird über personalisierte Werbung finanziert, die jedoch auf anonymisierte Statistiken zurückgreift. Man muss zur Nutzung von Ovi Maps keinerlei persönliche Daten eingeben, kann aber z.B. für eigene Bewertungen ein Konto erstellen.

Hier nun auch mal ein paar Screenshots ...

Ich dachte mir, die Veranstaltung bzw die eigentliche Präsentation zu filmen, wäre ne gute Idee. Leider hab ich nach wochenlanger "Nichtnutzung" meines i8910 HD ganz vergessen, wie schwach die Tonaufnahme ist. Ich möchte mich daher schon im Vorraus für die schlechte Tonqualität entschuldigen. Ich hab das Video wegen youtube in 9 kleinere Videos von jeweils 7-9 Minuten gesplittet.

Auch wenn es Nokia in Berlin nicht über die Lippen bringen wollte, die kostenlose Navigationslösung von Google Maps auf Androidhandys und ein damit mögliches Erscheinen auch auf anderen Plattformen wie eben Symbian war bestimmt mit ein Grund für das neue Preismodell. Jedwede Frage der anwesenden Journalisten zum Thema Konkurrenz wurde mit einem Lächeln und siegessicher beantwortet. Man nimmt sie wahr, aber eine wirkliche Konkurrenz ist z.B. Google Maps in Nokias Augen nicht. Das wäre, als würde man eine Handgranate mit einer Atombombe vergleichen :D . Auch der zeitgleiche Kursfall der TomTom-Aktie sorgte für Grinsen im Raum.

Erwähnen möchte ich noch das Thema Symbian-Lizenznehmer, also Samsung und SonyEricsson. Technisch ist es laut Nokia kein Problem, die Software auch auf deren S60-Handys zu nutzen. Ob Nokia das jedoch erlaubt, steht noch nicht fest. Ebenso ungewiss ist eine Portierung für Maemo. Hier soll es  Schwierigkeiten mit der Art und Weise der Programmierung von Maps geben, die eine 1:1-Portierung nicht erlaubt. Man arbeitet daran, aber ob es seitens Nokia eine zeitnahe Navigationslösung für das N900 geben wird, blieb offen.

Insgesamt kann man Nokia für den Weg der kostenlosen Navigation nur loben. Ovi Maps ist mit den Premiumdiensten ein durchdachtes Produkt und im Alltag auch ohne gleichzeitiges Navigieren sehr nützlich. Der kiloschwere Reiseführer kann zu Hause bleiben, das Handy erledigt das jetzt im Urlaub. Dazu kommt, dass die Bedienung schneller und intuitiver ist. Bleibt nur noch abzuwarten, was das Paket für ältere Handys kostet.

Update:

Seit heute steht die weltweite kostenlose Navigation auch für das N97 bereit.

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